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Tag 20 – Varanasi

Da hier die Tage scheinbar früher beginnen und auch enden, haben wir uns zu einem Early-Morning-Walk entschieden. Den Wecker auf 5 Uhr gestellt und dann um 6.30 tatsächlich aufgestanden und raus an den Ganges.
Bisher hat uns Varanasi ja bezüglich Spiritualität und Religion ziemlich enttäuscht. Aber am Morgen wenn die Motoren noch nicht warmgelaufen sind und die ganzen Schlepper noch nicht da sind, ist es hier ein ganz anderer Ort.

Unzählige Menschen die an den Ganges strömen und hier ihre Rituale abhalten. Alles scheint mystisch und die Inder beachten uns (die rumschwirrenden Touris) nicht im geringsten. Das macht es umso authentischer.
Wir schlendern den Ghats entlang und setzen uns mehrmals hin, um das Schauspiel zu betrachten. An einem Ort baden die Leute im Ganges, einige Meter weiter wird ein neues Boot gebaut, dann wieder badende Menschen, danach Wäsche-waschende Leute und irgendwo dazwischen werden noch Verstorbene verbrannt. Ein buntes Bild ohne erkennbare Struktur, wie es scheint.

Irgendwo entschliessen wir uns doch nochmals eine Runde mit dem Boot zu machen. Diesmal aber in eine Richtung, wo wir bislang noch nicht waren. Unser Mann macht einen fairen Preis, dennoch seine Passagiere bleiben wachsam. 🙂
Diesmal ohne Motor geht es Fluss abwärts, bis zum Manikarnika Ghat. Dies ist wohl das Spannenste. Hier werden während 24h Verstorbene rituell verbrannt und die Asche danach dem Ganges übergeben. Unglaublich wie viel Holz hier angekarrt oder geschippert wird. Selbstverständlich gibt es verschiedenes Holz für verschiedene Bedürfnisse.
Wir kommen gerade rechtzeitig an um zu erleben, wie zwei Feuer entzündet werden. Frauen sind hier nicht erlaubt und auch sonst sind nicht viele Menschen da, wenn man von den Touris und den männlichen Angehörigen absieht. Zu den Touris werden übrigens auch Inder aus dem Süden gezählt. Wir können den Zeremonien einige Zeit beiwohnen und werden ebenfalls kaum beachtet, da wir uns ja auf dem Fluss befinden.
Danach gehts zurück und unser Steuermann bringt uns sicher und mit Verspätung zum Ausgangspunkt. Es stellt sich heraus, dass es wirklich ein faires Geschäft war, obwohl die Tour etwas überzogen hat, wird nicht mal versucht mehr herauszuschlagen.

Auf dem Rückweg gehts dann ins Aum Cafe, ein Restaurant, welches von einer Amerikanerin geführt wird. Hier erlauben wir uns auch mal wieder den Genuss von Kaffee, geschnittenen Früchten und einem eilosem Omelett. Fazit: Kaffee flop, Essen top.

Franziska überrascht mich dann noch mit einem buddhistischen Ort hier rund um Varanasi. In Sarnath soll Buddha seine erste Lehrrede gehalten haben, nachdem er seine Erleuchtung erlangt hat. Da der Teilzeit-Buddhist in mir sich ein wenig auskennt, kommen mir Zweifel auf, denn der Ort seiner Erleuchtung ist wohl an die 10 Stunden mit dem Zug entfernt. Aber tatsächlich, Wikipedia ist derselben Meinung. Wir schnappen uns also ein Tuk Tuk und fahren die 10 Km zu dem Ort.

Nun zu Buddhas Zeiten gab es hier bloss einen Wildpark. Aber mit der Zeit entstanden Klöster und eine riesige Stupa. Und das Meiste würde wohl noch stehen, wenn im 12. Jahrhundert nicht ein andersgläubiger Nachbar die ganze Gegend zerstört hätte.
Schon erstaunlich wie sich dieselbe Geschichte, an verschiedenen Orten ohne Zusammenhang wiederholen kann.

Die Tour dauert länger als gedacht und wir erleben auf dem Rückweg sowas wie eine Rush-hour. Das spirituelle Feeling vom Morgen ist eine schwache Erinnerung. Hier war keiner am Ganges, oder es verleiht ihnen ein Gefühl von Unbesiegbarkeit. Jeder fährt als wär sein Fahrzeug ein Panzer. Sobald sich irgendwo eine kleine Lücke auftut, gehts mit Vollgas in die Richtung, auch wenns nur ein Meter ist. Jemandem den Vortritt lassen? Nur wenn «sein Panzer» grösser ist, sonst kommt das gar nicht in Frage. Wer kleiner ist, hat verloren.
Ich nehme irgendwann mein Knie, welches leicht aus dem Tuk Tuk schaut, wieder rein und bin froh darüber, denn ich hätte jetzt mindestens eine Beule, so knapp bemessen ist der Abstand zu anderen Fahrzeugen.
Was mich aber erstaunt, wenn mal einer so richtig austickt und verbales Vollgas gibt, den Angesprochenen lässt sowas kalt. Nicht mal ein Zucken mit der Wimper, geschweige denn ein «häsch Problem, Mann!». Absolut nichts! Das wiederum verdient meine volle Bewunderung für die Indische Coolness.

Tag 18 – Ankunft in Varanasi

Die Fahrt nach Varanasi war gar nicht mal so übel. Natürlich bequem ist anders – ich hab mich die ganze Nacht gedreht und gewendet. Mir gegenüber war ein so laut schnarchender Inder, dass ich dachte, ich krieg kein Auge zu.
Doch ich hab glücklicherweise meine Ohrstöpsel dabei und kann mich abschotten. Die frische Nacht lässt mich nicht durchschlafen, aber so kann ich zwischendurch einen Blick auf Gepäck werfen.

Unsere Chai-Wallahs (Teeverkäufer) wiegen uns in den Schlaf und sind auch wieder die ersten die sich am Morgen bemerkbar machen. Es gibt unzählige davon in dem Zug. Sie laufen immer auf und ab und verkaufen allerhand. Tee, Kaffee, kalte Getränke, aber auch Samosa’s, Omletts und mehrere Artikel, die ich akustisch oder sprachlich nicht verstanden hab. Da wir vor Abfahrt noch ordentlich was gegessen haben lassen, wir uns auf keine Experimente ein. Auch die Teeverkäufer haben kein Glück, ich halte mich zurück, da ich die Toilette im Zug möglichst wenig gebrauchen möchte.

Varanasi erreichen wir dann mit ca. 40 Minuten Verspätung. Da es Franziska nicht so gut geht, nehmen wir ein etwas teureres Taxi in der Hoffnung ohne Umwege ins reservierte Guesthouse zu kommen.
Soviel kann ich schon sagen, Varanasi’s Verkehrsverhältnisse sind geradezu chaotisch. Auf dem Weg zum Guesthouse fahren wir einen Velofahrer an (nicht schlimm, aber er muss dennoch absteigen) und schaffen es nur knapp ohne Beule zum Ziel.
Der Fahrer macht es uns dadurch einfach, dass er unsympathisch ist. Er bemüht sich nicht mal höflich zu sein: Im Guesthouse, welches ich telefonisch reserviert hab, versucht er dennoch eine Provision zu erhalten. Da er keine erhält, versucht er uns in einem anderen Hotel unterzubringen.
Aber die letzten 100 Meter müssen wir zu fuss gehen, das er hier angeblich nicht parken darf. Obwohl es alle anderen dürfen. Vielleicht versucht ja nur Benzin zu sparen. Auf dem Weg fuhr er schnell zur Tankstelle und hat ganze 2 Liter getankt. Sparsam scheint er immerhin zu sein.

Der Fiebermesser kommt heute zum Einsatz und zeigt bei Franziska 37.1 Grad an. Nicht schlimm, aber dennoch genug um sich eine Auszeit zu nehmen und hinzulegen. Ich mache mich in dieser Zeit auf und schau mir die nähere Gegend etwas an.
Während ich dem Ganges entlang schlendere komme ich in den Genuss der Schlepper-Angebote von denen ich später im Lonely Planet später lesen werde.
Dort steht: Wer die Schlepper und Rikscha-Wallahs von Agra (Taj Mahal) für eine Plage hält, war noch nicht in Varanasi!
Manchmal tut es echt gut solche Dinge in einem Reiseführer zu lesen, weil es doch sehr störend ist, aber man diese Leute teilweise nur mit schlichtem (und für uns unhöflichem) Ignorieren, begegnen kann.
Heute schaffe ich es irgendwie den ganzen Shops, Bootsfahrten, Restaurants und Opium Angeboten zu widerstehen. Muss es allerdings mehrmals erwähnen, dass ich weder auf mehr Gewicht noch auf neue ausserkörperliche oder schwebende Erfahrungen aus bin 🙂

Dann sehe ich ein kleines Wunder. Frauen waschen im Ganges weisse Wäsche und legen es auf die Promenade, wo Leute spazieren, zum Trocknen aus. Vielleicht muss man den Dreck sehen der die Wäsche umzingelt, um das kleine Wunder zu erkennen. Der Dreck ist teilweise ein Meter hoch. (Fairerweise muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass der Ganges gelegentlich so hoch steht und diesen Dreck zurücklässt.) Aber die Wäsche ist weiss, so richtig weiss. Ich krieg das nicht mal mit einer Waschmaschine so hin.

Später hole ich Franziska aus ihrem Schlaf und wir versuchen Essbares zu finden. Mein erster Vorschlag ist bloss ein Kaffee und mein Zweiter geschlossen. Aber unser Rikscha-Wallah überrascht uns mit einem Vorschlag der uns erstens passt und zweitens verhältnismässig uneigennützig ist, da er keine Provision dafür bekommt. Einfach so. Das tut uns wirklich gut nach den Strapazen von gestern.

Um 18 Uhr sieht es aus als wäre es 21 Uhr. Irgendwie geht die Sonne in Varanasi früher zu Bett. Dafür stellen wir fest, an unserem Ghats findet eine Party statt. Wir mitten drin, in unserem Zimmer 🙂 Die haben echt laute Lautsprecher hier, mal sehen wie lange sie Party machen können. Wir sehen es locker, die Aussicht auf den Lärm lässt uns schon richtig indisch locker.

Tag 17 – Delhi und Abreise nach Varanasi

Am Morgen gehts etwas knapp los an denselben Ort. Wir sind zwar nicht die Ersten, aber es gibt nicht so viele vor uns. Die Warteschlange ist prima. Es gibt Sofas und Bänke die im Raum verteilt sind. Man hat keinen Schimmer wo man «anstehen» oder eben «ansitzen» muss. Sobald aber jemand sein Ticket bekommen hat, steht irgendwo einer auf und alle anderen rutschen nach. Sieht witzig aus, wenn ein ganzer Raum «Reise nach Jerusalem» spielt 🙂
Nach einer Stunde haben wir unser Ticket, am Abend um 20:40 gehts nach Varanasi. Allerdings nicht wie gehofft in der zweiten Klasse, sondern in der Dritten. Das hatten wir ja schon von Delhi nach Agra, aber nun 12 Stunden im indischen Schlafwagen? Naja, wir wollen nach Varanasi und sind bereit diese Erfahrung zu machen.

Wir haben also noch den ganzen Tag Zeit und wollen uns noch das Fort ansehen und etwas im Quartier schlendern.
Erst geht es aber in eines der Roof Top Restaurants (Restaurant im obersten Stock), um uns zu stärken. Unglaublich, dass wir die Anzahl der Restaurant vor zwei Wochen nicht gesehen haben. Hier wimmelt es nur so von solchen. Vor zwei Wochen dachte ich noch, dass es schwer ist irgendwo ein gutes Restaurant zu finden. Tja, nachher ist man immer schlauer.
Hier beschliessen wir ein paar Taktiken, wie wir mit den ganzen Schleppern verfahren könnte. Taktik 1: «dem Schlepper versuchen etwas anzudrehen», Taktik 2: «Anzahl Fragen zählen, bis er zum Wesentlichen kommt» (Der Shop den man ansehen soll).

Wir stärken uns und schiessen ein paar Fotos, da wir das ganze Schauspiel der Stasse von hier aus super beobachten können. Zufälligerweise schaue ich in dem Moment in eine Richtung als unser Ex-Fahrer aus seinem Auto aussteigt. Ich nehm in kurz auf den Arm und rufe ihn an und erteile ihm Anweisung, dass er nicht weitergehen, sondern um sich blicken soll. Es funktioniert, er versteht gar nichts mehr 😉
Wir geben uns dann aber zu erkennen und er schaut kurz vorbei. Er freut sich sichtlich uns wieder zu sehen. Mein Glaube an das Gute ist wieder gestärkt. Gulab geht danach zu seinen beiden neuen Passagieren und wird gleich darauf Delhi wieder verlassen.

Ich will noch etwas Geld auf meine indische Nummer laden, bevor wir weiterreisen. Wir schauen kurz im Shop vorbei, wo das natürlich nicht funktioniert. Mir fallen die Worte des Typen im Vodafone Shop ein: «You can recharge your balance everywhere». Incredible India!
Naja immerhin der Händler zeigt eine Richtung an, wo es einen Vodafone Store gibt. Wenn, dann können die helfen.
So einfach ist der Shop dann doch nicht zu finden und da es hier von Schleppern nur so wimmelt, taucht auch gleich einer auf. Mich faszinieren seine Schuhe. Die sehen aus wie eine Kreuzung aus Cowboy-Stiefeln, Clownschuhen und Latexhosen. Einfach nur übel die Dinger. Aber faszinierend!
Ich entschliesse mich augenblicklich zur Taktik 2 und zähle die Fragen bis er zum Punkt kommt. Bei 20 hab ich aufgehört zu zählen. Er versucht uns gleich dahin zu führen. Also versuche ich das Beste daraus zu machen und frag ihn nach dem Vodafone Store. Er führt uns eine ziemliche Stecke in einen Mobile Shop, wo man uns natürlich nicht helfen kann, denn die verkaufen Handys. Aber daneben ist ein Vodafone Händler und oh Wunder, er kann was der davor nicht geschafft hat. Mit geladenem Handy komme ich aus dem Shop. E voila!
Dann das nächste Wunder: unser Schlepper kommt endlich auf den Punkt. Er möchte uns ein Geschäft zeigen, wo er etwas Cash bekommt, wenn wir reingehen. Ich will nicht unfair sein, da mein Problem sich gelöst hat, tun wir ihm den Gefallen.
Was für ein Shop, ziemlich viel Zeugs und auch sehr schön. Aber wir fragen nicht mal nach den Preisen und verlassen den Shop mit leeren Händen.

Wir haben noch etwas Zeit und entschliessen uns noch für eine Fort Besichtigung. Das erste Tuk Tuk, welches anhält wird von einem sympathischen Inder gefahren. 60 Jahre alt, geht erst in Pension, wenn er stirbt, hat drei Kinder, wobei seine älteste Tochter vor 5 Monaten geheiratet hat. Mit 31 etwas spät für indische Verhältnisse, aber jetzt hofft er auf Enkelkinder.
Er meint wenn wir das Fort in Agra gesehen hätten, dann wäre das Fort in Delhi reiner Zeitverlust. Er bietet uns aber eine Stunde Tour an, wo er uns noch ein paar extra Sehenswürdigkeiten zeigen will. Wir wollen es wissen, aber zur Sicherheit erwähnt Franziska «Keine Shops»! er sagt cool, wenn wir Shops sehen wollen, dann kostet es extra.
Klingt prima, wir steigen ein. Dennoch aus den bisherigen Erfahrungen bleiben wir vorsichtig, denn wir haben doch schon einiges erlebt.
Erst gehts zum Gandhi Memorial, dann zu einem Sikh Tempel, Buddhist Tempel und weiter zum Hindu Tempel. Wir bereits etwas tempel-faul bleiben sitzen und schiessen Fotos aus dem Tuk Tuk.
Dann nach 40 Minuten kommt das Unverhoffte. Er möchte kurz was essen und wir sollen uns doch kurz in den Shops auf der Strasse gegenüber austoben. Da wir uns keinen ansehen und ihn so um seinen 4 Uhr Snack bringen, erfahren wir nicht, ob es zusätzlich gekostet hätte wenn wir die Shops betreten hätten. (Wie er ja anfangs erwähnt hatte.)

Es ist echt schwer das Gleichgewicht zu finden wie weit man den Menschen trauen kann. Einerseits etwas von der Kultur mitbekommen, andererseits aber doch nicht abgezockt oder belogen zu werden. Aber wir haben ja noch etwas Zeit.

Abends dann besteigen wir den Zug ohne dass jemand versucht uns das Ticket abzunehmen oder eine extra Gebühr. Es scheint als wacht etwas über uns und will uns nicht noch mehr zumuten.
Beim Einsteigen stellen wir erfreut fest, dass wir mit 4 Spaniern ein 6er Abteil teilen. Das macht das Reisen in der dritten Klasse etwas sicherer.

Und wieder fährt ein indischer Zug auf die Minute genau los. Im Zug komme ich mir etwas vor wie im Zoo. Aber in diesem Zoo sind wir ausgestellt. Es scheint ungewohnt, dass Westler in der dritten Klasse reisen.

Tag 16 – von Mandawa nach Delhi

Zurück in Delhi, diesmal haben wir ein etwas besseres und weniger abgelegenes Hotel gewählt. Ausserdem wurde uns geraten früh am Bahnhof zu sein, da es noch eine begrenzte Anzahl Tickets für Touris wie uns geben soll.

Die Rückfahrt von Mandawa nach Delhi war überraschend kurz und nicht so übel wie gedacht. Unser Fahrer hatte uns 7 Stunden auf miesen Strassen und vielen Lastwagen in Aussicht gestellt. Ok, bei den Strassen hatte er absolut recht. Einige würden es wohl nicht unbedingt verdienen «Strasse» genannt zu werden. Aber es gab nur wenige Lastwagen und so ging es zügig vorwärts, so dass wir Delhi bereits um 14 Uhr erreichten, anstatt wie gedacht um 17 Uhr.

Unserem Fahrer «Gulab» war das sicher recht, denn ihn erwartete am nächsten Tag die nächste Tour. Und er wollte vorher noch den Kotflügel des Autos ersetzen lassen, um die neuen Passagiere nicht unnötig zu beunruhigen 😉 Ausserdem hat die Fahrertüre auch nicht mehr richtig funktioniert und er musste entweder über die Beifahrertüre aussteigen oder aus dem Auto klettern.

Das Hotel Hari Piorko ist der Hit. Zwar an einer echt lauten Strasse gelegen, ist unser Zimmer schön ruhig, gross, sauber und sogar ein Aquarium mit Fischen gibts da. Wir sind erstaunt und freuen uns auf die ruhige Nacht.

Danach gehts zum Bahnhof zum Auskundschaften der Ticket Angelegenheit. Wir wissen, New Delhi Railway Station, 1. Stock. Ich hab da mal ein Büro gesehen, aber es lag im EG, daher muss es wohl noch ein anderes geben. (Genau das war mein Fehler…!)

Wir versuchten irgendwo an die Infos zu gelangen und ein vermeintlicher Bahnhofsangestellter hat uns erklärt, wo wir zu den Tickets kommen. Er holt sich einen Reservationszettel von einem der geschlossenen Schalte und quasselt auf uns ein. Irgendwann erwähnt er das Delhi Tourism and Transport bla bla und dieses ist auf der Karte eingezeichnet mit einem i für Information.
Aber noch immer skeptisch wollen wir uns nicht von ihm zu einem Tuk Tuk bringen lassen, sondern uns den ersten Stock noch genauer ansehen. Aber da winkt uns einer ab, dass man da nur mit Tickets reinkommt. Auch er erklärt uns, wo wir zu Tickets kommen und es ist dieselbe Gegend. Damit hat er mich. Sogleich sitzen wir in einem Tuk Tuk und fahren los. Franziska diesmal mehr skeptisch wie ich, kontrolliert mit der Karte die wir haben. Die Richtung stimmt, aber die Adresse nicht. Also gibts eine Reklamation an den Fahrer und nach mehrmaligem Versichern, dass wir hier absolut richtig sind, fährt er dann doch los. An die nächste falsche Adresse. Alle in der Gegend wo das gesuchte [i] sich befindet, aber eben nicht da.
Diesmal ist es mir nicht gelungen Ruhe zu bewahren, ich koche innerlich und so lassen wir den Fahrer stehen ohne zu bezahlen. Dass er uns nicht aufhält ist der Beweis, dass er uns nicht da abgeladen hat, wo wir wollten.
Wir haben anfangs etwas Mühe uns zu orientieren, da die Strassen alle ähnlich aussehen. Mit etwas Hilfe kommen wir dann zum gesuchten Büro. Aaaber, es liegt im EG nicht wie beschrieben im ersten Stock. Aber ich will doch kurz reinschauen, immerhin war es nicht ganz einfach hierher zu kommen. Ausserdem will ich an das Gute glauben. Ich glaub noch dran, aber nicht wegen dem Büro. Es war auch bloss ein «Reisebüro» und nicht das erhoffte Tourist Information Bureau.
Gleich um die Ecke wo uns der Tuk Tuk Fahrer abgestellt hat, gibt es aber doch ein offizielles Büro, allerdings für Tickets, die man frühzeitig kauft und wir wollen ja morgen weiter. Dennoch die können uns zumindest helfen den richtigen Ort zu finden. Schon beim Eintreten wird klar, hier sind wir richtig. Sieht offiziell aus, geräumig und aufgeräumt, wie man sich in einem Beamtenort halt fühlt.
Ein sehr netter Herr erklärt uns, wo sich das gesuchte Büro befindet. Wir standen keine 100 Meter davon entfernt. Genau da wo wir begonnen haben. Dort wo ich das Schild im EG gesehen hab, gehts hinauf in den ersten Stock. Jetzt bin ich so ordentlich stinkig, auf die Typen, aber auch auf mich, dass ich mich so hab hinters Licht führen lassen.
Im gesuchten Büro gibt es ordentlich viele Leute und da wir ja unsere Tickets erst ab nächstem Morgen erhalten können, entschliessen wir uns zur Rückkehr ins Hotel.

Tag 14 – Bikaner

Nun befinden wir uns wieder auf dem Rückweg nach Delhi. Allerdings brauchen wir dafür die nächsten drei Tage. Bzw. jetzt noch zwei, da wir nun schon einen Teil zurückgelegt haben.

Gestartet sind wir heute in Jaisalmer mit einem kurzen Abstecher zum See. Franziska hatte vor einiger Zeit ein wunderschönes Bild des Sees mit einem Gebäude darauf gesehen. Also mussten wir da noch unbedingt hin.
Wie es leider so ist mit wunderschönen Bildern die man sieht, sie sind vermutlich unter optimalen Bedingungen entstanden. So auch dieses, Wasserspiegel ca. 4 Meter höher und auch Abfall war kaum auf dem Bild zu sehen.

Wir sehen einiges davon und es sieht schrecklich aus, Glas, Plastik, Chips-Päckchen, nichts fehlt hier, abgesehen von Sauberkeit.
Eine kleine Wiedergutmachung auf diesen Schreck bietet sich beim Gehen. Jemand macht sich daran der Unordnung entgegenzutreten, mit einem Besen bewaffnet beginnt er seinen Tag.

Danach ca. 6 Stunden mit dem Auto nach Bikaner unserer zweitletzten Stadt vor Delhi. 2 Mio. Einwohner und auch ganz schön was los. Aber es spielt sich nicht mehr alles in Gassen ab wie in Jodhpur und Jaisalmer, sondern hier können auch zwei Autos problemlos kreuzen.
Zuerst sehen wir uns ein weiteres Fort an. Wuchtig gebaut und teilweise super Architektur. Zudem ist es noch gut erhalten. Aber wir sind wohl langsam übersättigt von Forts und Palästen.

Das Highlight soll aber ein Tempel in der Gegend sein. Ein Ratten-Tempel. Der Name ist nicht einfach so gewählt, da wimmelt es nur so von Ratten. Wenn einem eines der Tierchen über die Füsse krabbelt soll das Glück bringen. Wohl nicht der Ratte, denn mein Reflex würde es wohl na die nächste Wand befördern. Aber wir (ich und die Ratten) haben Glück, sie streifen mich nur und mein Fuss ist nicht schnell genug ;)
Es ist aber wohl auch der schmutzigste Tempel den wir zu Gesicht bekommen. Ich hab mehrere Tierchen gesehen die sich bereits auf den Weg ins Jenseits gemacht haben und eine Taube die gerade dabei war, den Weg einzuschlagen. :(

Dennoch gibt es einiges an Objekten die wir uns vornehmen können. Jedoch immer mit einem Auge auf den Boden gerichtet. Die Fiecher sind wirklich überall und sehr zahlreich.
Als wir aufbrechen, kaufen wir beim Ausgang noch etwas Wasser. Prompt erwischen wir eine Flasche Nachfüll-Wasser. Also eine die wohl nicht ganz unter hygienischen Bedingungen abgefüllt wurde. Das würde jetzt noch fehlen, nachdem die Erkältung bei uns endlich abklingt noch eine Darmreinigung alla Indien.

Zurück in der Stadt versuche ich mein Mobile neu aufzuladen. 2 GB an Daten haben wir in den letzten Wochen verbraucht. Ehrlich gesagt ein Rätsel womit, denn die Fotos sind zwar gross, aber nicht so gross.
Egal, jedenfalls funktioniert auch das hier in Indien etwas anders. Der Vodafone Shop in Agra, wo ich die ursprüngliche Karte her hab, hat meine Angaben nicht vollständig ausgefüllt/übernommen oder was weiss ich. Und der Vodafone Shop hier in Rajastan trägt zwar dasselbe Logo, ist aber eine andere Firma. Jeder Bundesstaat hat seine eigenen Vodafone Firma, was dazu führt, dass viele Inder zwei Handys haben. Denn beim Wechsel von einem Staat zum anderen, fallen dadurch auch Roaming Gebühren an. Ich habs relativ schnell verstanden was das Problem ist, aber stell mich trotzdem etwas doof und lass mir das mehrfach erklären.
Schlussendlich verlasse ich das Geschäft mit einer neuen SIM, einer neuen Nummer, 3GB zum Versurfen und mit der Hoffnung, dass ich nicht nochmals nachzuladen brauche. Obwohl mir der Verkäufer versichert, dass es absolut kein Problem sein wird, da wieder etwas drauf zu laden, bleibe ich skeptisch. Warum nur? Weil es das nächste Mal problemlos klappt, was gerade eben unmöglich war?

Tag 12 – Von Jodhpur nach Jaisalmer mit Boxenstopp in Khuri

Nach dem verlängerten Tag in Jodhpur fühlen wir uns gestärkt und machen uns auf den Weg in die Wüste. Irgendwo Richtung Pakistan, oder besser 200km davon entfernt wollen wir auf Kamelen durch die Wüste reiten und schliesslich auch dort campieren.

Die Reise führt uns nun nicht mehr via Schnellstrassen von Ort zu Ort, sondern auf Hauptstrassen. Manche würden wir wohl eher als Feldwege bezeichnen, aber die Fahrzeuge hier müssen sich eh einiges gefallen lassen. Was machen da ein paar zusätzliche Schlaglöcher?

Da wir erst nachmittags ankommen müssen, können wir den Weg ohne Eile angehen. Khuri den Ort unserer “Safari” erreichen wir pünktlich und bestätigen, dass wir auf die Safari wollen.
Gleich nach einem “Indien-Chai” geht es los. Wir dürfen auf die Kamele aufsteigen, die sich als Dromedare verkleidet haben. Gemäss einem unserer Guides merkt das kaum jemand. Trocken meint er: “There are no Camels in India”. Wir Schweizer sind da wohl einfach zu pingelig.
Nach dem Sonnenuntergang gibt es Nachtessen mit Livemusik. Wir haben das Vergnügen und sitzen der Band am nächsten. Die Stimmung bei den 20 anwesenden Touris ist mässig und lässt sich weder durch Tanz, Feuerspeier, noch von Solo-Einlagen aufwärmen. Den Wink, dass die Band auch Trinkgeld annimmt wird schlicht ignoriert. Aber sie geben sich nicht so einfach geschlagen, sie versuchen mit dem Publikum Kontakt aufzunehmen. Und wer sitzt da in der ersten Reihe? Die ersten paar Rufe schaffen wir zu ignorieren, aber nach Runde drei haben sie uns und wir dürfen unseren Namen sagen. Der nächste Song könnte uns gegolten haben, aber sicher sind wir uns nicht. Als die Band dann irgendwann zusammenpackt, lassen wir uns erweichen und spenden was und sind irgendwie dankbar, dass wir nun aus der Schusslinie sind.

Der Lonely Planet wart vor dem Bettzeug und der Kälte in der Wüste. Einige der Dinge, die wir mitgenommen haben, weil wir sie “vielleicht” brauchen könnten, sind unsere Seiden-/ Baumwoll-Schlafsäcke. Dünn, aber sie bieten einen gewissen Schutz vor dem Geruch unserer Bettwäsche. So eine Art Schutzschild, wenn auch nur ein dünner.

Leider haben wir dem Verkäufer mehr vertraut als dem Lonely Planet. Auf meine explizite Frage nach Temperaturen in der Nacht, hat er mir versichert, dass es um die 20 Grad sein würde. Das war schlicht gelogen, es waren geschätzte 15 Grad und gefühlte 10 Grad. Wir hätten die Tour ja auch gebucht, wenn er die Wahrheit gesagt hätte, doch dann hätten wir die wärmeren Kleider mitgenommen.
Aber es hatte auch einen Vorteil, so haben wir nicht durchgeschlafen und mitbekommen, wie der Mond sich verabschiedet hat und uns so einen Blick auf die klare Sternenwelt ermöglicht hat. Wirklich ein toller Anblick, den ich mir mehrmals etwas zitternd gegönnt hab ;)

Tag 11 – Jodhpur

Ein ziemlich ruhiger Tag, da wir noch immer mit unserer Erkältung kämpfen, hat sich Franziska für eine Pause entschieden. Ich mache mich also alleine und mit zwei Kameras (also Franziskas Canon D7 und mein iPad) auf den Weg zum Palast. Der wohl einzigen Sehenswürdigkeit hier in Jodhpur, auch die blaue Stadt genannt.

Die Anlage ist ebenfalls recht gross und gut im Schuss. Der hier ansässige Maharaja hat sich der Verteidigung der Traditionen gewidmet, da die Landesverteidigung nicht mehr zu seinen Aufgaben gehört.

Hier wird klar wie ehr-bezogen die Rajastan-er sind. Als die Schusswaffen die Schwerter abgelöst haben, haben sich die lokalen Kämpfer dagegen entschieden, da “töten auf Distanz” ohne Ehre ist.
Sie haben sich erst umentschieden als ihnen eine Armee mit Schiesspulver gegenüberstand.

Jedenfalls hat der Maharaja nun mehrere Stiftungen ins Leben gerufen, welche sich um Erhaltung der Gebäude und Traditionen kümmern sollen.

Mehr durch Zufall laufe ich in einen offiziellen Anlass hinein. Eine besohltes Orchester und ein hübsch dekoriertes Pferd lassen ahnen, dass da noch mehr kommt.
Ob es der Maharaja ist der da mit Sonnenbrille, orangem Turban und Schwert in der Hand ist, weiss ich nicht, aber die Leute zollen ziemlichen Respekt vor den orangen Turbanen.
Also brauch ich keine weiteren Beweise und will es einfach glauben ;)

Auf dem Rückweg werde ich häufiger begrüsst, darf Hände schütteln und kleine Männer fotografieren. Einer ist besonders witzig, er spricht etwas Englisch, aber jeden zweiten Satz beginnt er mit “Oh my God …”. Liegt vielleicht weniger an mir als am iPad.

In den kleinen Gassen in der Altstadt gibt sich mein Orientierungssinn geschlagen. Ich spaziere am Hotel vorbei und muss erst zum “Clock-Tower”, wohl dem kleinen indischen Bruder von “Big Ben”, um mich orientieren zu können. Dieser Turm überragt einige der anderen Gebäude und ich hab den Weg gestern zweimal gemacht.
Ab da wagt sich Orientierungssinn auch wieder an die Arbeit.

Tag 9 – Udaipur

Bisher ein relativ ruhiger Tag. Da das Zentrum “eigentlich” aus Einbahnstrassen besteht, sind wir hauptsächlich zu fuss unterwegs. “Eigentlich” steht für: Bei uns wären es Einbahnstrassen. Nicht so in Indien, hier wird jeder Zentimeter verwendet, so sehr, dass mir Motorräder so nah kommen, dass sie an meinen Rucksack-Gurten hängen bleiben.

Morgens geht es zum City Palast des Maharana’s. Er ist hier sowas wie die Queen in England, aber wie der Maharaja von Jaipur hat auch er keine Power mehr. Wir nehmen uns einen Guide, um etwas mehr über den Palast zu erfahren.

Wie uns dieser erzählt, macht der Maharana auf Touismus und besitzt so an die 15 Hotels in der Gegend. Eines davon wurde 2007 immerhin zum besten Hotel gekürt. Das Zimmer kostet aber auch entsprechend.
Besonders fällt auf, dass der Palast noch sehr gut erhalten und wohl auch gepflegt wird. Viele Bilder sind noch erhalten, obwohl sie schon 380 Jahre alt sind.

Mittags haben wir noch etwas Zeit, um kurz auf dem See rumzutuckern. Es soll super Bilder des Wasserpalastes ermöglichen. Also drehen wir eine 30 minütige Runde und kommen so zu ein paar prima Schnappschüsse. Da ich mit meinem Ipad etwas umständlicher hantieren muss und sich das halbe Boot ducken muss, damit ich freie Sicht bekomme, bin ich relativ sparsam. Aber Franziska drückt dafür richtig auf den Auslöser. Bis jetzt sind es bereits über 2000 Bildern ;).

In der Hoffnung doch noch was für meine Kamera tun zu können, fahren wir am Nachmittag in ein Schopping-Center etwas ausserhalb. Kaum drinnen sind wir raus aus Indien. Sieht aus wie bei uns, Wrangler, Lewis, Bata – alle sind sie auch da.
Der einzige Aufsteller ist ein Uhrverkäufer der wohl sein Geschäft wittert, da weder Franziska noch ich eine Uhr tragen. Er gibt nicht auf und will uns unbedingt bei sich sehen. Ich schau ihn an und sag nur: “Sorry, we are from Switzerland”. Der Spruch funktioniert, er versteht den Wink und gibt sich sofort geschlagen: “ok ok, no problem”. Zumindest kennt er sich in seiner Branche aus ;-)

Danach gehts noch in einen kleinen friedlichen Park mit einigen Springbrunnen, bevor wir dann wieder zurückkehren, um unsere erste Ayurveda Massage zu geniessen.
Lässt sich durchaus empfehlen. Danach sind wir fit für die angekündigte Fete in der Stadt. Alles ist dekoriert und im Moment findet der Soundcheck statt.
Soviel kann ich jetzt schon sagen: Dezibel-Begrenzungen kennt man hier nicht!

Tag 7 – Pushkar

Ein kleines – nennen wir es Dorf – irgendwo in der Pampa. Das spezielle ist ein heiliger See in der Mitte des Dorfes. Ihm werden wahre Wunder nachgesagt. Zudem gibt es noch echte praktizierende Brahmanen. Die höchste aller Kasten, wem das Kastensystem der Inder etwas sagt.

Nun schon im Lonely Planet wird von Jungs gewarnt die Blumen verteilen. Unser Fahrer erwähnt dann auch, dass gelegentlich ziemliche Preise in Form von „freiwilligen Spenden“ eingefordert würden.

Da wir mittags ankommen und ziemlich ausserhalb übernachten, entschliessen wir uns für einen Spaziergang ins Downtown. Keine 200 Meter vom Hotel entfernt kommt dann schon das erste Motorrad angerollt und oh wunder der Fahrer bringt Blüten mit. Da er aber äusserst sympathisch daher kommt, lassen wir uns darauf ein. Wir sind beide gespannt, was passieren wird. Erst kriegen Franziska und ich eine für uns persönlich und eine weitere, um sie zum See zu bringen. Dann geschieht das Unerwartete: Der Typ fährt weg, ohne auch nur ansatzweise eine Rupie zu verlangen. Erstaunt und etwas eingeschränkt, da wir ja nun in einer Hand zwei Blüten tragen, setzen wir unseren Weg fort.

Zufälligerweise treffen wir den Blümchen-Verschenker unterwegs nochmals und er erzählt uns noch etwas über den heiligen Berg, der ebenfalls schon Menschen geheilt hat. Aber noch immer kein Wort über Geld. Wir besorgen noch etwas Wasser und treffen auf unseren Fahrer der uns dann ins Stadtzentrum bringt. Wir wollen jetzt erst zum See, um unsere von Blüten besetzten Hände wieder frei zu bekommen. Bei der Abfahrt fällt mir ein Typ auf an dem wir vorbeifahren, weil er eine Geste zum Fahrer macht. Als wir dann nach ca. 500 Metern aus dem Auto aussteigen steht der Typ von vorhin bereits da.
Nun ist klar, da hat sich eine Gruppe von ca. 4 Jungs an uns geheftet und führt uns wie zufällig zum See. Immer ein anderer der uns leitet und schön fernab der Hauptstrasse.

Dann geht alles ziemlich schnell; Am See angekommen werden wir von einem Brahmanen in Empfang genommen und gleich getrennt, da wir nicht verheiratet sind. Wir beide erfahren, dass dies ein heiliger See ist, zu welchem Pilger aus ganz Indien anreisen. Wir brauchen aber nicht ein Bad zu nehmen, es reicht wenn die Hände benetzt werden. Enttäuscht bin ich darüber nicht, denn heiliges Wasser bedeutet nicht zwingend, dass es sauber ist.

Jedenfalls darf ich ein paar Mantras aufsagen und auch eines für meine Familie. Dadurch wird unser aller Karma gereinigt. Restlos! Dass dies nicht ganz gratis sein wird, war uns schon vorher klar, aber was dann folgte erinnerte mich mehr an Syntology als an ein heiliges Ritual. Ich sollte eine Summe nennen, welche pro Familienmitglied multipliziert die geforderte Spende sein. Das wäre ja noch gegangen, aber wie dies platziert wurde, es glich mehr einer Gehirnwäsche als einem Ritual. Vielleicht eine rituelle Gehirnwäsche?
Die Spende wurde gleichgesetzt mit dem Glück, welches man seiner Familie wünscht. Grosse Spende, grosses Glück und kleine Spende, tja vermutlich war dann das Herz nicht offen genug und die Aktion würde im Nirvana für ungültig erklärt?

Mein Selbstschutz wurde dadurch aktiv und ich hab dem Priester höflich aber verständlich erklärt, dass ich mich in der momentanen Lage sehr unangenehm fühlen würde. Nach einem weiteren Versuch mit von einer ordentlichen Spende zu überzeugen, hat er wohl auch verstanden, dass es eher auf eine Null-Runde rausläuft, wenn er weitermacht wie geplant.
Dieser Geschäftssinn hat uns dann zu einer Einigung gebracht, 500 Rupien Spende + 100 für den Priester was ca. 12 CHF entspricht.
Franziska hat sich ebenfalls nicht bekehren lassen und hat denselben Betrag übergeben. Wie wir später erfahren, sind wir damit recht glimpflich davongekommen. Einem älteren Ehepaar aus den USA wurden auf die 5000 Rupien abgeknöpft.

Die Erfahrung war es allemal wert und ausserdem durften wir so Fotos machen, was normalerweise nicht erlaubt ist, wie man auf einem Bild erkennen kann 🙂
Wir haben ausserdem erfahren, dass die Spenden sinnvoll angelegt werden. Es werden mehrere Schulen damit unterstützt und es kommt auch dem Dorf zugute.
Einzig die Art und Weise wie es gehandhabt wird, ist nicht gerade von Nächstenliebe geprägt.

Das Dorf hat aber noch mehr zu bieten. Obwohl für Indien klein, scheint es ein Treffpunkt für Aussteiger aus dem Westen. Einige davon tuckern mit fetten Bikes durchs Dorf, die man hier mieten kann. Hat den Touch einer Dorf-Gang – auch wenn das Dorf bloss ca. 1 km lang ist 🙂

Kulinarisch findet man auch hier einiges angeboten. Wir bleiben bei indisch und beschliessen den Abend auf einer Dachterrasse und schmunzeln über die heutigen Ereignisse.

Tag 6 – Jaipur

Da wir nochmals eine Nacht in Jaipur bleiben, können wir uns Zeit lassen. Auch gar nicht so schlecht, mir geht es noch nicht wirklich besser, aber Franziska ist schon wieder munter.

Erst mal ab in die frühere Hauptstadt Amber und dem dazugehörenden Fort Amber. Ziemlich eingekesselt liegt diese Stadt in einem Tal neben Jaipur.

Im alten Königspalast kann man sich mehr oder weniger frei bewegen, zumindest wenn man sich darin zurechtfindet. Nichts mit europäischer Architektur und symmetrischen Gängen und Treppen. Überall tauchen neue Wege auf die noch weiter in den Palast reinführen oder noch ein paar Stockwerke weiter hoch.

Speziell das kunstvolle Spiegel-Mosaik mit der ein Gebäudeteil verziert wurde. Malereien gibt es nur wenige, die letzte Restauration ist wohl schon länger her.

Danach kurz für ein paar Schnappschüsse beim Wasserpalast stoppen. Dieser ist noch immer im Besitz der königlichen Familie, aber nicht mehr bewohnt. Sicher ein prima Standort für ein Touri Hotel, aber eine endgültige Bleibe?

Auf die Frage was die königliche Familie denn noch so zu tun hat, antwortet unser Fahrer: „No Power, still rich“, also werden keine Kriege mehr im Namen des Maharajas geführt, aber es gibt genug Geld, um in einem Palast zu leben.

Dafür gibt es im City-Palast genügend Platz. Er befindet sich mitten in Jaipur und wird noch bewohnt. Der Palast darf besichtigt werden und man erfährt dabei einige Dinge über die Royal Familie, aber nicht viel mehr als unser Lonely Planet nicht auch wüsste.

Danach brauch ich erst mal eine Pause von den Strapazen und will mich hinlegen. Franziska macht sich dann zwecks Textilberatung mit unserem Fahrer auf, um mehr über Seide/Nicht-Seide zu erfahren. Die Jagd ist erfolgreich und wir haben ein Plus von 4 Schals im Gepäck. (Einer für mich, yeah!)

Am Abend gehts mir auch wieder einigermassen besser und somit wage ich mich aus dem Hotel, um einen Happen zu essen. Das Restaurant, welches wir aussuchen sieht super aus, also nichts wie rein. Drinnen werde ich erst mal an einen „Männertisch“ entführt und krieg meinen ersten indischen Whiskey. Das Angebot abzulehnen wäre wohl eine Beleidigung im Quadrat und ausserdem will ich ja auch etwas mehr über die Leute erfahren. Selbsterklärend, dass „just a little Drink“ nicht demselben Mass entspricht, wie bei uns üblich, aber was tut man nicht alles im Namen der Kulurförderung 🙂

Nachdem ich den halben Familienstammbaum der Jungs präsentiert bekomme (glücklicherweise gehören alle irgendwie zusammen), erfahre ich, dass das Restaurant in dem wir sitzen, auch einem Bruder gehört und eigentlich noch gar nicht eröffnet wurde. Wahrscheinlich sind wir daher die einzigen Gäste – neben der Familie.

Dann werden noch die Händy-Nr getauscht und mein neuer bester Freund oder Bruder was wir jetzt sind, möchte er mich kurz noch zu sich nach Hause bringen. Sehr enttäuscht bin ich nicht als er das Motorrad seines Neffen nicht kriegt, der nun auch noch aufgetaucht ist, denn mein Bruder hat ordentlich was gegen seinen Durst getrunken.

Franziska konnte während meiner Verbrüderung, dann den wesentlichen Teil erledigen und mir eine Ausrede verschaffen, zu ihr an den Tisch zurückzukehren. Sie hat was für den Magen bestellt und wie sie das hat. Lauter leckere Sachen, noch nie davon gehört und auch wenn das Restaurant noch nicht in Betrieb ist, in Sachen Futter haben sie was drauf.

Da meine Kamera ja den Geist aufgegeben hat, hab ich mein Ipad immer griffbereit. Wo immer es die Internet Leitung zulässt, werden wir ein paar Bilder veröffentlichen.

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