Tag 2 – New Delhi

Heute hatten wir unseren eigenen Fahrer, da wir uns für eine Rajastan Tour Extended entschieden haben. Wir werden Rajastan per Auto bereisen. Etwas widerwillig, da wir ja auf Luxus möglichst verzichten wollen.

Jedenfalls haben wir den Fahrer für einen Schnuppertag bekommen und das just eine Stunde bevor wir an einen zweistündigen Walk durchs New Delhi Bahnhofsquartier teilnehmen wollten. Planung ist das halbe Leben – aber was solls, man soll uns die Schweizer Mentalität nicht gleich auf Anhieb ansehen :)

Der Salaam City Walk wird von einer Organisation durchgeführt, welche sich um verloren gegangene oder gestrandete Kinder kümmert. Sie sorgt für Kinder im Alter von 6 bis 18 Jahren indem sie diesen Nahrung sowie ärztliche Versorgung zur Verfügung stellt. Freitags dürfen die Kinder auch mal in die Flimmerkiste starren.

Oder sie entscheiden sich dafür in einem Heim nach gewissen Regeln zu leben. Als Lockangebot dürfen sie da jeden Tag in TV gucken.

Die Gründe warum die Kinder ihr zuhause verlassen, sind genauso abenteuerlich wie die Reise selbst. Von prügelnden und alkoholsüchtigen Eltern mal abgesehen ist es bei den Jungs der Wunsch als singender und tanzender Bollywood-Star über die Leinwand zu schnulzen. Die Mädels zeigen sich hier eine Spur erwachsener. Sie laufen weg, weil der Papa die Mitgift wohl nicht aufbringen kann und will der Familie so die Schmach ersparen.

Jedenfalls kriegt man auf der Tour einiges zu Gesicht und auch vor die Linse, obwohl wir nicht überall fotografieren dürfen. Alleine würde man sich in den engen Gassen völlig verirren. Ausserdem fühlt man sich als Tourist nicht sonderlich wohl, denn es wirkt alles heruntergekommen, schmutzig und von Abfall überdeckt. (Zumindest wenn man noch 48 Stunden vorher die Bahnhofstrasse in Zürich gesehen hat.)

Ganz so schlimm ist es dann aber doch nicht. Die Leute die hier Leben scheint es jedenfalls nicht zu stören. Und wir können so einen Blick auf die Armut werfen, die sich in den Gassen hinter den Backpacker Lodges abspielt

Die grösste Ernüchterung ist wohl die, dass es kaum einen Ausweg aus diesem Sumpf gibt. Wohl nur natürlich für uns Schweizer, zu überlegen wie man das anstellen könnte. Etwas sparen, um sich irgend ein kleines Business leisten zu können. Dann weiter sparen bis zum dicken Bankkonto (oder natürlich Postkonto). Aber genau da scheitert es. Wer auf der Strasse lebt hat kein Konto und kriegt auch keins. Alles was gespart wird, ist am Morgen nicht mehr da. Also leben sie von Tag zu Tag und falls am Abend noch was übrig ist, dann wird es in Dinge investiert die sicher nicht der Gesundheitsvorsorge dienen.

Dank dem Salaam Baalak Trust bleibt dies so manchen Kindern erspart. So wird uns am Ende der Tour dann auch ein kleines Happy End beschert. Fünf Erfolgsgeschichten von ehemaligen Kindern die durch das Heim ein neues Leben starten konnten. Von Studium, über professionelle Ausbildung zum Fotografen mit Ausstellung in New York bis zu einer Rolle in einem Bollywood-Film

Nach dem Haufen Informationen brauchen wir Nahrung, erst für den Bauch, dann für die Linse. Also erster Test für unseren Fahrer “Gulab”: Nahrungszufuhr! 10 Minuten später sitzen wir in einem schummrigen Lokal mit zu lautem Techno-Background und überhöhten Preisen. Draussen waren wir definitiv schneller wie drinnen. (Tourist Trap #2 erfolgreich abgewendet)

Ob der Fahrer unser anschliessendes Gespräch ernst genommen hat, wird sich noch zeigen. Aber vermutlich nicht, denn die Preise in der Gegend seien enorm hoch, obwohl er nie da essen würde und wir im Kaffee daneben einen top Cappuccino bekommen haben.

Im Humayuns Grab einer Delhi Variante des Taj Mahal wurden wir dann mit etwas Ruhe und unsere Kameras mit guten Objekten belohnt. Ein traumhafter Park mit eben einem muslimischen Grabmal.

Danach kurz zum roten Fort um zu erfahren, dass es montags geschlossen ist und dann in die “wohl schönste Moschee” in Delhi. Da wir nur diese gesehen haben, ist das relativ schwer zu sagen, aber mächtig ist das Ding allemal.

Allerdings sehr wohl fühlt man sich nicht in der Gegend. Girls sind hier eher selten und die Jungs sind mit ihren Handykameras ziemlich aufdringlich, wie Franziska dies erfahren musste. Speziell auch der Ziegenmarkt und Ramschverkauf am Ausgang der Moschee. Man kriegt alles mögliche von Essen, Kleider, Souvenir bis eben Ziegen. Eine ganze Menge davon.

Danach haben wir etwas Ruhe verdient und liessen uns in der Backpacker Gegend aussetzen, um den Abend bei indischem Essen zu beschliessen.

 

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Beat Hildebrand

Beat Hildebrand

Teilzeit-Reisender
"Reisen veredelt den Geist und räumt mit unseren Vorurteilen auf." Oscar Wilde (1854 - 1900)
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